Projekttreffen Februar 2010

Am 6. Februar war das zweite Projekttreffen, diesmal im TaO!Theater am Ortweinplatz in Graz. Es waren viele Jugendliche aus ganz Österreich mit dabei. Sie erzählten einander von ihren Theaterprojekten zum Thema “Alltagsrassismus” – natürlich in theatralischer Art und Weise, in Form von Standbildern…

“Multi-tab-surfing” auf der Bühne
Etwa 50 Jugendliche aus Vorarlberg arbeiten zurzeit an dem Stück “Das weiße im Auge”. Im Ethik-Unterricht setzen sie sich mit dem Thema Alltagsrassismus auseinander. Ihr Stück greift das im Internet übliche “multi-tab-surfing” auf, bei dem mehrere Internetseiten parallel geöffnet sind. Ähnlich wollen sie auch das Theaterstück inszenieren. Ein Teil der Vorarlberger Projektgruppe nahm eine 9-stündige Zugreise von Vorarlberg nach Graz auf sich, um an dem Treffen im TaO! dabei zu sein.

Schulball-Spektakel wird elektrifizierend
Die größte Gruppe von Jugendlichen, die beim Projekttreffen dabei war, kommt aus Zwettl. Sie zeigen einen Ausschnitt aus ihrem Stück “Electric Ballroom”. Dabei wird ein ganzer Ballsaal zur Theaterbühne. Sie beschäftigen sich mit den Spannungen, die auf einem Schulball entstehen. Der Ball ist somit Austragungsort von Liebes(un)glück und weiteren Dramen.

Auf der TaO!-Bühne erzählen sie, was ihnen an dem Projekt gefällt: Jede/r ist gleichberechtigt, jede/r kann mitreden. “Ich kann es nur empfehlen”, sagt eine Schülerin begeistert. Gemeinsam mit Regisseur Karl Wozek haben die Waldviertler auch schon mal eine Billa-Filiale zur Spielstätte gemacht und so manche Kassiererin mit ihrem “anormalen Verhalten” irritiert.

Impro-Theater: “Talkshow AG 24/7”
Eine Gruppe aus Villach kam ebenfalls nach Graz, sie arbeiten an  “Talkshow AG 24/7” (= Alkohol + Gewalt, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche).  Sie spielen in ihrem Stück mit dem Stereotyp des komasaufenden Jugendlichen. Die SchülerInnen lernen kein Skript, sondern studieren Rollen und Biografien ein. Auf der Talkshow-Bühne wird dann improvisiert. Eine spannende Aufgabe, die jede Aufführung einzigartig macht.

“Auslandia” im Flakturm
Auch eine Gruppe aus Wien war beim Projekttreffen: Sie wird das Stück “Auslandia” aufführen. Das Stück befasst sich unter anderem mit der Frage, ob es schon ausländerfeindlich ist, wenn ich “die Ausländer” sage. Sie werden ihre Produktion im Flakturm im Arenbergpark aufführen. Beim Treffen berichten sie über Herausforderungen, die der außergewöhnliche Standort mit sich bringt: Die Türme sind 9 Stockwerke hoch, die Decken sind etwa 4 Meter dick. Dementsprechend kalt ist es in den Gemäuern, die 1942/43 (im 2. WK) errichtet wurden.

Stefan Horvath Obama oder Strache?
Unter die Haut gingen die Berichte von Autor Stefan Horvath. Sein Sohn ist vor 15 Jahren in Oberwart umgebracht worden. Warum? Weil er Roma war. Nun besucht Stefan Horvath Schulen und redet mit Jugendlichen. Er  fragt sie, welche Politiker ihnen gefallen. “Obama” und “Strache” waren die Antworten. Doch er merkt: Die politischen Einstellungen der Jugendlichen ändern sich. Reden zahlt sich aus.  Er arbeitet mit drei Schulen an dem Stück “Paintball rot-weiß-rot”.

Die Jugendlichen lernten einander beim 2. Treffen kennen und tauschten sich aus. Auch die Profis vom Theater (RegisseurInnen, AutorInnen usw.) berichteten von ihren Erfahrungen. Ganz klar kam heraus: Jedes Schule, jedes Stück, jede Produktion ist ganz anders – und um’s Anderssein und das Akzeptieren des Anderen geht es schließlich auch beim heurigen Thema “Alltagsrassismus”.